Vor ein paar Monaten, noch bevor mein Blog existierte, dachte ich darüber nach, wie ich Sport besser in meinen Tagesablauf integrieren könnte. Meine Gedanken dazu schrieb ich in einen englischen Blogartikel den ich bei Sparkpeople (einer tollen Fitness-Seite) veröffentlichen wollte.
Dann entschied ich mich dagegen ein Sport-Blog zu führen und habe den Artikel doch nicht eingestellt bzw. einfach wieder gelöscht. Dadurch kam ich aber auf die Idee diesen Blog hier zu starten. Deshalb hat sich die vergebliche Arbeit meinem Gefühl nach wieder gelohnt.
Zeit für Sport
In dem Artikel ging es darum, wie man Sport treiben kann, während man auch noch mit anderen Dingen beschäftigt ist.
Dazu dachte ich mir dazu ein paar Beispiele aus. Unter anderem:
- Sprachen lernen auf dem Heimtrainer
- Kniebeugen oder andere Übungen beim Fernsehen
- Mit Freunden Spazieren gehen anstatt gemeinsam in der Wohnung zu hocken
Das klappte gut und ich fing wirklich an die Sportübungen in meinen Tagesablauf einzubauen – bis auf das Spazieren gehen… Denn der Geist ist unwillig – und der Körper auch.
Aktivitäten verbinden
So kamen mir danach noch weitere Ideen, wie man verschiedene Aktivitäten miteinander verbinden könnte:
- Lesen, während mein Mann mich im Auto rumfährt. Auch wenn die Fahrt nur 10 Minuten dauert – die Zeiten summieren sich. Mit Rückfahrt sind es schon 20 Minuten.
- Hausarbeiten kann ich auch (soweit möglich) mit dem Kind erledigen. Der Kleine lernt die Spülmaschine auszuräumen und ich verbringe mehr Zeit mit ihm. (Eine Freundin brachte mich überhaupt erst auf die Idee, dass die Kleinen schon gut mithelfen können).
- Und einige Möglichkeiten mehr, über die ich in meinem nächsten Artikel berichten werde.
Multitasking erschien mir wie der perfekte Weg Zeit zu sparen und endlich alles erledigen zu können, was ich mir täglich so vornahm.
Trotzdem warnen Wissenschaftler schon seit vielen Jahren davor. Wie in diesem Artikel über eine Multitasking-Studie aus dem Jahr 2001.
Denn Menschen können zwar mehrere Dinge gleichzeitig wahrnehmen, geraten aber in Schwierigkeiten, wenn sie gleichzeitig mehrere Entscheidungen treffen müssen.
Wie passt das nun zu meinen Erfahrungen?
Ich habe mir intuitiv Aktivitäten rausgesucht, bei denen man nicht nachdenken muss und bei denen ich auf keinen wichtigen Abgabetermin oder Ahnliches hinarbeite.
Wenn ich auf Etwas warte, Sport treibe oder Hausarbeiten erledige muss ich nicht viel nachdenken und habe den Kopf frei um mich gleichzeitig zu unterhalten oder manchmal auch um zu lernen.
Sobald beide Tätigkeiten Konzentration und etwas nachdenken erfordern, ist Multitasking nicht nur stressig, sondern (schlimmer) reine Zeitverschwendung. Das gilt auch, wenn eine der Tätigkeiten besonders viel Konzentration braucht und jede kleine Ablenkung stören würde.
Vor allem Lernen klappt nicht, wenn man sich gleichzeitig ablenken lässt.
Wir bilden uns vielleicht ein, wir könnten zur selben Zeit Emails lesen, telefonieren und chatten. Aber eigentlich wechseln wir nur ganz schnell zwischen den Tätigkeiten hin und her und unterbrechen die Anderen dafür. Diese Art Multitasking kann man sich also als einen ständigen Strom von Unterbrechungen vorstellen.
Allein die Vorstellung, im Kopf ständig hin und her zu schalten macht mich schon beim Nachdenken darüber nervös. Trotzdem versuche ich manchmal Texte zu schreiben, während Musik im Hintergrund läuft und ich alle 5 Minuten nach meinen Emails schaue – und blockiere mich selbst dabei.
Ausfallerscheinungen
Mir fallen dann die Worte nicht ein nach denen ich suche und das Schreiben dauert insgesamt länger als die einzelnen Tätigkeiten nacheinander gedauert hätten. Also gerate ich unnötig in Stress und produziere leicht vermeidbare Fehler. Dadurch kann ich das Ergebnis dann gleich noch mal überarbeiten und habe eher Zeit verloren als gespart.
Es mag ja Leute geben, die auf die Art tolle Arbeit abliefern. Ich gehöre jedenfalls nicht dazu und vermute, dass Diejenigen noch bessere Ergebnisse erzielen würden, wenn sie all Ihre Mühe in nur eine Aufgabe stecken würden anstatt zu multitasken.
Beim Autofahren wird das Ganze sogar gefährlich. Wer glaubt er könne dabei locker SMS schreiben darf gerne den Test auf folgender Seite machen: Tordurchfahrt.
Entscheidungsfindung
Wenn ihr also vor der Wahl steht, ob ihr Multitasking einsetzen wollt, stellt Euch erstmal ein paar Fragen:
- Erfordert eine der Aufgaben besonders viel Konzentration oder ist besonders wichtig? Dann wehrt jeden Anflug einer Störung mit Händen und Füssen ab. Schaltet die Musik aus. Sperrt die Tür zu. Ignoriert Emails. Stellt das Telefon leise. Und um Gottes willen: Konzentriert Euch alleine auf diese Aufgabe! Das gilt auch für’s Autofahren.
- Erfordern beide Aufgaben etwas Konzentration und Denkarbeit? Hände weg von Multitasking. Reine Zeitverschwendung.
- Besteht eine der Aufgaben darin dumm rumzusitzen, vorwiegend körperliche Routine-Arbeiten zu erledigen oder Sport zu treiben? Nur zu. Es wäre eine Schande es nicht zu versuchen. Nur Vorsicht: Sobald Ihr merkt, dass ihr mit der anderen Aufgabe nicht weiterkommt, Fehler macht oder in Stress geratet solltet ihr die Tätigkeiten nacheinander ausführen.
Bei Dumb Little Man ist vor kurzem ein Artikel erschienen, der gut zusammenfasst, wann Multitasking Sinn macht und wann nicht: Multitasking vs Monotasking.
Doch keine Zeit für Sport
Bloggen ist leider inkompatibel mit Sport. Sonst hätte ich den Sport in letzter Zeit nicht so sträflich vernachlässigt. Wie bringt man nur die Motivation wieder auf, wenn man keine Routine mehr hat? Wahrscheinlich, wie immer: Klein anfangen und sich dann steigern.
Also: 5 Minuten auf dem Heimtrainer schaff ich jetzt noch. Wenigstens habe ich dann eine Entschuldigung (für das eigene schlechte Gewissen) gleichzeitig den Fernseher anzumachen.
Tags: Aufgaben, Fehler, Multitasking, Organisation, Zeit sparen, Zeitmanagement
Atom
Zunächst einmal: CSS für related Posts gefällt mir echt gut! Toll gemacht.
Zitat: Denn Menschen können zwar mehrere Dinge gleichzeitig wahrnehmen, geraten aber in Schwierigkeiten, wenn sie gleichzeitig mehrere Entscheidungen treffen müssen.
Ich erlaube mir in diesem Punkt zu widersprechen und erkläre dir auch warum. Es waren die “WESTLICHEN” Wissenschaftler die das behaupten und ich kann dir beweisen dass es purer Unsinn ist. Ich betreibe seit ca 20 Jahren eine Kampfkunst, die nicht wie üblich auf starren Bewegungsabläufen (wie zum Beispiel Katare) beruht sondern auf Reflexen und der Explosionskraft des Körpers.
Denken und Konzentration beruhen auf Intelligenz. Intelligenz wiederum ist nicht statisch, sondern kann, genauso wie der Körper trainiert werden. Wie das funktioniert würde an dieser zu weit führen, aber ich kann das gerne jedem interessenten via Email erklären. Fakt ist aber: Wenn man die Geschwindigkeit des Körpers trainiert, ist gleichzeitig auch das Denken davon betroffen. Man denkt einfach schneller.
Vorstellbar und plausibel wird das mit folgender Erklärung: Wenn du irgendwo hinschlagen möchtest, weiss das Gehirn genau wo du treffen möchtest. Trainierst Du nun schneller zu werden, muss auch das Gehirn schneller werden, weil Du ja nach wie vor ein Ziel vorgeben musst.
Das geht soweit, dass das Gehirn Entscheidungen trifft, die Du bewusst gar nicht mehr wahrnehmen kannst. Das wirkt sich nicht nur in der Kampfkunst aus, sondern macht auch dein alltägliches Denken wesentlich schneller und vor allem effektiver.
Das beste Beispiel dafür kannst Du hier:http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/campus-und-karriere/campus/2007/12/16/news-11051409/detail.html nachlesen. Meister M. Freiberg studiert Sozialwissenschaften innerhalb von drei Semestern mit Abschlussnote 1,7. Alle anderen brauchen 11 und mehr Semseter.
Dieser Mann lehrt solche Sachen und macht Multitasking in einer Weise möglich, die sich die meisten nur im entferntesten vorstellen können. Dazu kommt das er in seiner Kampfkunst Lehre eine Form der Gedächtnisoptimierung lehrt, mit der ein Schüler innerhalb von einem Jahr !!!vier!!! Sprachen fließend gelernt hat.
Alles ist also möglich und jeder der etwas anderes behauptet hat einfach zuwenig Ahnung!
Erstmal: Schön, dass dir die Änderungen an der Seite gefallen. (Ich bin schon froh, dass ich es überhaupt hingekriegt habe
)
Du hast wahrscheinlich recht, dass Multitasking mit dem richtigen Training möglich ist.
Es ist schon beeindruckend was der Mann in 3 Semestern Studium geschafft hat.
Da die meisten von uns aber untrainiert sind, glaube ich aber, dass die Aussagen erstmal so stehen bleiben können.^^
Die Wissenschaftler haben den Versuchspersonen Aufgaben gegeben und dann festgestellt, dass diese Leute mit Multitasking nicht zurecht kamen und Fehler machten. (Sie haben das also nur beobachtet und nicht beeinflusst.)
Ich will niemanden davon abhalten es zu versuchen. Nur sollte man, wenn man merkt, dass man sich damit nur stresst und trotzdem keine Zeit gewinnt, einfach wieder aufhören. (Das macht das Leben einfach angenehmer
)
Wenn Du aber Tips hast, wie man Multitasking mehrerer Aufgaben, bei denen man gleichzeitig Nachdenken muss, trainiert (ohne sich dabei schlecht zu fühlen): nur her damit!